Über Okkultismus
27.04.2010 | Kategorie: Okkultismus
Bereits im Mittelalter wurde das Adjektiv “okkult” gebraucht. Man unterschied damals im Rahmen der aristotelistischen Naturphilosophie die wahrnehmbaren Qualitäten von Dingen, wie Farbe oder Geschmack gegenüber den nicht wahrnehmbaren okkulten Qualitäten, wie z. B. den Magnetismus oder die Einflüsse der Sterne, also die Astrologie, oder die Heilkräfte, die durch verschiedene Substanzen über einen indirekten Effekt erfahrbar sind. Die Meinung, welche die mittelalterliche Scholastik vertrat, dass die okkulten Qualitäten nicht Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung sein könnten, im Unterschied zu den wahrnehmbaren.
Die Rede von okkulten Qualitäten erhielt eine negative Bedeutung, als die Naturwissenschaft begann im 17. Jahrhundert Erscheinungen wir den Magnetismus zu untersuchen. Sie wurde im Zusammenhang mit der scholastischen Ansicht als “unerforschbar” gesehen.
1531 erschien die Schrift “De Occulta Philosophia” von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim in welcher er den Begriff “Okkulte Philosophie” prägte und alte Weisheiten wiederbeleben wollte, da deren Inhalt für ihn gleichbedeutend war mit “Magie”.
Im 16. Jahrhundert wurde auch die Bezeichnung “Okkulte Wissenschaften” geprägt, worin man die Astrologie, Alchemie und die Magie einschloss.
Erst im 19. Jahrhundert kam das Substantiv “Okkultismus” auf, wo es zum ersten Mal in einem französischen Wörterbuch von 1842 nachgewiesen wurde. Durch Eliphas Levi wurde es populär, er gebrauchte es 1856 zuerst in “Dogme et tituel de la haute magie”. Dabei knüpfte er an Agrippe von Nettesheim un den Begriff “Okkulte Wissenschaften” an.
Heute versteht man unter Okkultismus in der wissenschaftlichen Literatur vor allem durch Levi und Papus im 19. Jahrhundert in Frankreich begründete Richtung der Esoterik.
Man versteht es als Sammelbegriff für alle “Geheimwissenschaften”, welche sich mit naturwissenschaftlich nicht erklärbar, übersinnlich bzw. noch nicht naturwissenschaftlich erklärbaren Phänomenen beschäftigen.
“Der Okkultismus beruht zum einen auf dem Glauben an die Übermacht menschlicher Seelenkräfte gegenüber den Naturgesetzen und an die Existenz von Geistern. Er nimmt ferner eine Beseeltheit der Natur an und rechnet schließlich mit der Möglichkeit eines Entsprechungszusammenhanges von menschlicher Seele und beseelter Natur.” (Duden: Die Religionen, München 1980, S. 312)
